Mein digitaler Workflow – Teil III

Nach einer kleinen Unterbrechung geht es nun weiter mit meiner Artikel-Serie “Mein digitaler Workflow“. In Teil III geht es nun um die Themen

Entwickeln, Exportieren, Archivieren

Fotos entwickeln

Nach dem ich wie in Teil II beschrieben meine Fotos importiert, selektiert und gefiltert habe, kommt nun der wichigste Teil des ganzen Workflows: die Entwicklung. Dazu wähle ich in der Lightroom-Bibliothek das erste der zu entwickelnden Fotos aus und wechsle dann in das Entwicklungsmodul. Im rechten Bedienfeld bietet Lightroom nun eine Vielzahl von Entwicklungseinstellungen an. Ich möchte hier jedoch nicht auf Details eingehen, da dies kein Tutorial über Bildbearbeitung im engeren Sinne ist. Ich benutze nahezu alle Einstellungen und dementsprechend könnte man dazu mehrere separate Tutorials schreiben. Einige Funktionen, mit denen sich der Ablauf des Entwickelns optimieren lässt, möchte ich jedoch hervorheben.

  • Synchronisieren: Wenn man für viele Fotos identische Einstellungen setzen möchte (z.B. Weißabgleich), ist es sehr sinnvoll, die Synchronisierungsfunktion zu nutzen und die Einstellung nicht bei jedem Foto von Hand zu setzen. Hierzu setzt man die Einstellung bei 1 Foto und markiert dann im Filmstreifen am unteren Rand alle Fotos, welche die gleiche Einstellung bekommen sollen. Dann klickt man im Bedienfeld rechts unten auf “Synchronisieren …”, wählt die entsprechende Einstellung aus und bestätigt mit “Synchronisieren”. Diese Funktion nutze ich sehr häufig, weil sie extrem viel Zeit spart.

Einstellungen synchronisieren

  • Vorgaben: Lightroom kann Entwicklungseinstellungen als Vorgaben speichern. Das ist sinnvoll, wenn man einen bestimmten Bearbeitungsstil hat, den man sich speichern und immer wieder anwenden möchte. Oftmals setzt sich ein Stil aus einer Kombination von vielen verschiedenen Einstellungen zusammen und es ist mühsam, diese Einstellungen immer wieder neu zu setzen. Um die Einstellungen eines Bildes zu speichern, klickt man einfach im linken Bedienfeld auf das “+” neben “Vorgaben” und speichert die Einstellungen im Ordner “Benutzervorgaben” unter einem aussagekräftigen Namen ab. Um bei einem anderen Foto eine gespeicherte Vorgabe anzuwenden, muss man nun nur noch auf die entsprechende Vorgabe klicken. Sinnvoll ist auch das Vorschaufenster oberhalb der Vorgaben. Beim Überfahren der Vorgaben mit der Maus wird die entsprechende Änderung bereits angezeigt. Natürlich kann man auch die in Lightroom bereits enthaltenen Vorgaben verwenden.

Vorschau einer Vorgabe

  • Virtuelle Kopien: Hin und wieder kommt es vor, dass man ein Foto mit unterschiedlichen Einstellungen bearbeiten möchte, weil man nicht sicher ist, welche Einstellungen besser sind. Hierzu bietet es sich an, virtuelle Kopien anzulegen (Strg + T, Befehlstaste + T oder Kontextmenü), welche dann mit verschiedenen Einstellungen unabhängig voneinander bearbeitet werden können. Das Arbeiten mit virtuellen Kopien ist besonders empfehlenswert, wenn man ganze Bilderserien mit verschiedenen Einstellungen bearbeiten will, z.B. einmal in Farbe und einmal in S/W. Hierzu ist es aber sinnvoller, gleich eine komplette Sammlung zu kopieren. Siehe auch “Teil II“. Virtuelle Kopien erkenn man in der Bibliothek übrigens an der umgeknickten Ecke unten links.

Original und virtuelle Kopie

Optional: Fotos in Adobe Photoshop bearbeiten

Hin und wieder stoßen die Entwicklungseinstellungen von Adobe Lightroom an ihre Grenzen und Adobe Photoshop muss her. Lightroom bietet viele Funktionen, die für einen Großteil von Fotografen und Fotografien ausreichend sind. Wenn es jedoch um hochwertige und umfangreiche Retusche geht, kommt man an Photoshop nicht vorbei. Inbesondere die Arbeit mit Ebenen und Masken, Filtern oder Reparaturwerkzeugen lässt sich in Photoshop meiner Meinung nach besser verrichten. Lightroom ist zwar mit seinen neuen Maskierungsfunktionen (Verlaufsfilter, Korrekturpinsel) auf einem guten Weg, aber der eingefleischte Photoshopper wird noch eine ganze Weile nicht auf sein Photoshop verzichten wollen. Das sieht auch Adobe so und hat Photoshop daher optimal in Lightroom integriert. Über das Kontextmenü auf einem Bild lässt sich der Punkt “Bearbeiten in” und dann “In Photoshop bearbeiten …” auswählen. Lightroom legt nun im gleichen Ordner eine Photoshop-Datei an (*.psd) und öffnet diese in Photoshop. Mit Ordner meine ich sowohl den Ordner in der Bibliothek als auch den Ordner der RAW-Datei auf der Festplatte. Hat man das Foto in Photoshop bearbeitet, muss man in Photoshop lediglich “Speichern” klicken. Wechseln man nun wieder in die Lightroom-Bibliothek, sieht man die bearbeitete Photoshop-Datei und kann mit dieser wie mit jedem anderen Foto weiterarbeiten.

Fotos exportieren

Vor dem Exportieren von Fotos muss man sich zunächst im Klaren sein, welchen Zweck die exportierten Fotos erfüllen sollen. Möchte der Kunde sie hochauflösend auf einem Datenträger? Sollen sie gedruckt werden? Sollen die Fotos  im Internet angezeigt werden? Oder sollen sie nur am Bildschirm betrachtet werden? Es gibt sicher noch einige Verwendungszwecke mehr und jeder erfordert unter Umständen andere Einstellungen. Diese Einstellungen kann man sich natürlich wieder komfortabel als Vorgabe speichern.
Beim Exportieren kommen nun endlich die bereits in Teil I erwähnten Verzeichnisse “03_developed”, “04_master” und “05_resized” ins Spiel. Ich erkläre nun noch einmal, welche Fotos ich in welche Ordner exportiere.

  • 03_developed: In diesen Ordner kommen alle Fotos, die ich in irgendeiner Form außerhalb von Lightroom benötige, z.B. um sie einem Kunden auf DVD zu brennen oder um sie in anderen Programmen weiter zu verarbeiten (Illustrator, InDesign etc). Die Fotos für diesen Ordner exportiere ich immer als TIFF-Dateien in voller Größe und mit hoher Auflösung (300dpi).
  • 04_master: Dieser Ordner ist wie eine Art Album. Er enthält meine persönlichen Favoriten meiner privaten Fotos. Wenn man nur mit einem einzigen Lightroom-Katalog arbeitet und seine Favoriten mittels Bewertungen, Sammlungen und sonstigen Filtern markiert, kann man theoretisch auf diesen Ordner verzichten und seine Favoriten in der Lightroom-Bibliothek anschauen (und sogar als Diashow abspielen!). Da ich aber jedes Jahr einen neuen Katalog anlege und noch viele Fotos aus der Zeit vor Lightroom habe, verwende ich diesen Ordner. Die Fotos in diesem Ordner haben die volle Größe, jedoch reicht eine Speicherung als JPEG.
  • 05_resized: In diesen Ordner exportiere ich Fotos, die ich temporär  in einer bestimmten Größe benötige. Das können Fotos für die Veröffentlichung im Internet sein oder Fotos, die ich drucken lassen möchte.  Der Ordner kann noch weitere Unterverzeichnisse enthalten, z.B. einen Ordner “Fotoblog”.

Für die Verwendung in meinem Fotoblog exportiere ich die Fotos beispielsweise so:

Export Dialog Adobe Lightroom

Bei der Dateibenennung wähle ich übrigens immer die Vorlage “Dateiname”. So ist sichergestellt, dass die exportieren Dateien den gleichen Namen haben wie die RAW-Dateien. Siehe hierzu auch die Überlegungen zur Dateibenennung in Teil II.

Archivierung

Um ein übersichtliches und schnell bedienbares Fotoarchiv zu betreiben, muss dieses regelmäßig gepflegt werden. Hierzu gehören insbesondere das Löschen von unbrauchbaren Fotos und das Verschieben von nicht mehr benötigten Fotos an einen anderen Ort.

  • Löschen: Um unbrauchbare Fotos aus der Lightroom-Bibliothek und deren RAW-Dateien von der Festplatte zu löschen, gibt es eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit: Man ruft in der Bibliothek die Funktion “Foto –> Abgelehnte Fotos löschen …” auf und bestätigt mit “Vom Datenträger löschen”. Fertig. Voraussetzung: man hat beim Selektieren das “Abglehnen-Fähnchen” gesetzt. Siehe “Teil II – Selektieren …“. Ein bischen mehr Handarbeit ist es bei den Verzeichnissen “03_developed” und “05_resized”. Hier muss man von Zeit zu Zeit entscheiden, ob die enthaltenen Dateien bereits ihren Zweck erfüllt haben und gelöscht werden können. Sollte man hier mal ein paar Fotos zu viel löschen, ist das auch nicht weiter tragisch. Man kann sie ja jederzeit erneut aus Lightroom exportieren.
  • Verschieben: Aus Platzgründen kann ich auf meinen Notebook nicht alle Original-Dateien von allen Katalogen aus allen Jahren speichern. Da ich die Kataloge aus den Vorjahren sowieso nicht mehr so häufig brauche, ist es also kein Problem, diese samt der dazugehörenden RAW-Dateien auf einen anderen Computer zu verschieben. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Verzeichnisstruktur auf beiden Computern gleich ist. Andernfalls findet Lightroom beim Öffnen der Bibliothek die Originaldaten nicht mehr und man hat ein wenig Arbeit mit dem Anpassen der Pfade. ;-) In einem weiteren Artikel werde ich noch auf die Möglichkeit eingehen, nur die RAW-Dateien zu verschieben und die Lightroom-Kataloge über ein Netzwerk zu betreiben.

Fazit

Die wichtigsten Arbeitsschritte meines Workflows sind nun beschrieben. Ich hoffe, mit diesen 3 Artiklen ist das Grundprinzip meines Foto-Workflows klar geworden. Es gibt noch einige weitere Details und Tricks, mit denen man den Workflow optimieren kann. Auf diese werde ich in den nächsten Wochen in kleinen “Specials”-Artikeln eingehen.

Wie immer freue ich mich auf Feedback und Fragen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fotografie, Tutorial und getagged , , , , , , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

9 Kommentare

  1. Erstellt am 30. April 2009 um 07:01 | Permanent-Link

    Hab mich schon gefragt, wann denn nun endlich der nächste Teil kommt. Aber glück gehabt er kam ja jetzt. :-)
    Schön beschrieben, einige Sachen machst du anders als ich, aber für mich ist es wieder einmal ein kleiner Denkanstoss um meinen Workflow zu erweitern/zu verbessern.
    Danke.

  2. Dieter Hanff
    Erstellt am 1. Mai 2009 um 16:53 | Permanent-Link

    Was machen,wenn die Festplatte voll ist? Mit Lightroom kann man ja keine CD brennen. Welche Software soll man für das CD brennen benutzen? (etwa Nero?) Welche Software brennt die Beschreibungen (Daten-Text usw.) mit?
    Ich muß sagen die analoge Fotografie war einfacher, es gingen auch keine Daten verloren.Die Begutachtung der Dias oder Negative ist einfacher.
    Man sollte auch daran denken, das die gebrannte CD jeder öffnen kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dieter Hanff

  3. Erstellt am 1. Mai 2009 um 19:16 | Permanent-Link

    Hallo Dieter!
    Ich brenne eigentlich gar nichts. Wenn ich keinen Platz mehr habe, erweitere ich durch eine neue Festplatte. Das ist günstiger als zig CDs/DVDs und es kostet weniger Zeit. Zu diesem Thema schreibe ich in Kürze noch einen Artikel.

    Gruß
    Matthias

  4. Bernd Müller
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 15:55 | Permanent-Link

    Hallo Herr Pabst,
    tolle Fotos,
    super Anregungen für meine Motive, bin Anfänger – danke.
    Meine Frage :
    “Mit welcher Fotoausrüstung arbeiten Sie (Kamera, Objektive, ect.)”?
    Danke, wenn ich eine Antwort bekäme.

    Mit freundlichen Grüßen
    Bernd Müller

  5. Erstellt am 7. Juli 2009 um 16:05 | Permanent-Link

    Hallo Herr Müller! Derzeit verwende ich eine Canon EOS 5D und die Canon-Objektive EF 24-105mm 1:4L, EF 17-40mm 1:4L und EF 100mm 1:2. Einige der älteren Fotos in den Alben habe ich noch mit der Canon EOS 350D gemacht. Ansonsten verwende ich noch Polfilter und ND-Filter und ein Manfrotto-Stativ. Hoffe, das ist ausführlich genug. :-)
    Vielen Dank für den Kommentar.

  6. Erstellt am 30. Oktober 2009 um 20:07 | Permanent-Link

    Hallo Matthias!

    Ich habe heute mit dem Martin Gommel geschrieben und er hat gemeint das ersich heute noch mit mace2000 triff. Dann bin ich natürlich neugierig geworden und habe gegoogelt. Über Flickr bin ich dan hier geglandet!
    Echt respekt vor deinen Arbeiten und von deinem Blog! 1 Feedreader und fixen leser mehr !

    Viele Grüße
    Flo

  7. Erstellt am 28. November 2009 um 13:52 | Permanent-Link

    Hallo Matthias!

    Ich habe noch eine Frage zu LR. Ich habe mir gerade alle drei Artikel nocheinmal durchgelesen und bastle gerade an meiner entwas angepassten Strucktur ;) . Jetzt mein Problem: Ich will jetzt meine Strucktur anwenden. Kann ich irgendwie die Bearbeitungen der Fotos speichern? Weil wenn ich die Oriinale exportiere, dann eine neue Strucktur anlege sind ja alle bearbeitungen weg.

    Hoffe du kannst mir helfen ;)

    Viele Grüße
    Flo

  8. Erstellt am 30. November 2009 um 15:55 | Permanent-Link

    Hi Flo,
    das lässt sich nicht pauschal beanworten. Erklär doch mal, wie deine Struktur jetzt aussieht (Ordner für RAW-Dateien und LR-Katalog) und wie sie aussehen soll. Hast du auch diesen Artikel gelesen? http://pabst-photo.de/2009/10/16/mein-digitaler-workflow-optimierung-der-dateistruktur/

  9. Erstellt am 3. Januar 2010 um 20:38 | Permanent-Link

    Hi Matthias!

    Habe den Artikel gelese, und die optimierung Vorgenommen ;) . Die Bearbeitungen sind doch noch da, nur es dauert eine kleine Ewigkeit bis sie geladen sind. Dies Optimierung ist echt klasse, weil man dieses “Paket” überall hin verschieben kann und man hat immer die ganze Sachen beinander :) Super!
    Und dein Baum Foto auf flickr ist einfach nur klasse!

    Grüße
    Flo

Ein Trackback

  1. [...] Los gehts mit Matthias Papst, der jetzt endlich, nach langer Zeit des Wartens, den 3. Teil seinen Workflows vorgestellt hat. Entwickeln, Exportieren, Archivieren. Seine Ansätze sind komplett andere als meine und so unterscheiden sich auch unser Workflows wie Tag und Nacht. Aber für mich sind wieder einmal interessante Teile dabei, die ich vielleicht bei mir integrieren könnte. Bitte hier entlang: pabst-photo.de | Mein digitaler Workflow – Teil III. [...]

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  • Teile diesen Artikel mit anderen!

    Share |
  • Guten Tag!

    Ich bin Matthias (Mace2000), 33 Jahre alt und lebe und arbeite in Karlsuhe.
    Ich fotografiere gern Landschaften, Städte und Hochzeiten. In diesem Blog schreibe ich über alles, was mit Fotografie zu tun hat. Wenn dir etwas gefällt oder du eine Frage hast, kannst du gern einen Kommentar schreiben. Und wenn du einen Hochzeitsfotografen suchst, geht es hier entlang.

    Informationen zu meiner Arbeit als Webdesigner gibt es in Kürze auf einer neuen Website.

  • Hier findest du mich auch!