Mein digitaler Workflow – Teil II

Import und Verwaltung der Fotos

Dies ist der Folgeartikel von “Mein digitaler Workflow – Teil I“. Dieser Teil beinhaltet die Themen “Fotografieren”, “Import”, “Dateinamen”, “Selektieren”, “Sammeln” und “Bewerten”.
Ich habe die Kapitelaufteilung geändert und den Punkt “Entwickeln” von Teil II in Teil III verschoben.

Ein kleiner Tipp vorab: Hilfe zu Adobe Lightroom 2 gibt es hier.

Fotografieren

Beim Fotografieren gibt es außer den im Teil I erwähnten Einstellungen bzgl. Dateiformat und Farbraum eigentlich nichts zu beachten. Außer vielleicht dass man Blende und Belichtungszeit richtig einstellt, den Deckel vom Objektiv nimmt und im richtigen Augenblick abdrückt. Aber das ist ein anderes Thema. :)

Fotos auf den Rechner kopieren und in Lightroom importieren

Lightroom speichert alle Informationen in sogenannten Katalogen (eine Art Datenbank). Ich verwende  mehrere Kataloge, da ich erstens meine privaten Aufnahmen von meinen geschäftlichen Aufnahmen trenne und zweitens zu große Kataloge das Programm langsam machen und es daher sinnvoll ist, ab und zu mal einen neuen Katalog anzulegen. Ich habe pro Jahr also jeweils 2 Kataloge: “JJJJ_privat” und “JJJJ_jobs” (JJJJ = die Jahreszahl). Diese Kataloge befinden sich in dem im Teil I erwähnten Ordner 02_lightroom-catalogs.

Nun zum eigentlichen Import: Lightroom kann Fotos von einer Speicherkarte auf den Rechner kopieren und gleichzeitig in einen Katalog importieren. Dazu stecke ich die CF-Karte in den Cardreader des Notebooks, starte Adobe Lightroom und wähle den entsprechenden Katalog aus. In der Bibliothek klicke ich auf Importieren und bekomme den Import-Dialog (siehe Abbildung) zu sehen. Hier gibt es ein paar wichtige Einstellungen zu treffen:

  • Dateiverwaltung: Fotos an einen neuen Speicherort kopieren und dem Katalog hinzufügen
  • Kopieren nach: 01_archive (der unter “Voraussetzungen” erwähnte Ordner!)
  • Ordnen: Nach Datum: 2005-12-17 (d.h. im Ordner “01_archive” werden für jeden Tag Unterordner im Format “JJJJ-MM-TT” angelegt)
  • Dateibenennung: benutzerdefiniert (Datum + von Kamera generierter Dateiname)
  • Entwicklungseinstellungen: keine
  • Metadaten: gespeicherte Vorgabe mit ein paar Daten zu mir und zum Copyright
  • Stichwörter: sofern alle zu importierenden Fotos ähnliche Motive enthalten, gebe ich gleich ein paar Stichwörter ein, z.B. “Landschaft, Natur, Sonnenuntergang”. Ansonsten lasse ich das Feld frei und ergänze die Stichwörter später in der Bibliothek. (Nicht immer. Aber immer öfter.)
  • Erstvorschauen: Standard

Importdialog von Adobe Lightroom 2Der Importdialog von Lightroom

Lightroom speichert diese Einstellungen und bietet sie beim nächsten Import wieder an. Dies ist sehr praktisch, da man so beim nächsten Import nur die Stichwörter ändern muss. Alles andere bleibt gleich.

Eindeutige Dateinamen vergeben

Im Laufe der letzten Jahre ist für mich die Dateibenennung immer wichtiger geworden. Anfangs habe ich die Fotos z.B. nach dem Schema “Schwarzwald_0001.jpg, Schwarzwald_0002.jpg, …” benannt und sortiert. Diese Vorgehensweise hat sich zunehmend als unpraktisch erwiesen und ich habe heute 2 grundlegende Anforderungen an Dateinamen:

  1. Dateien sollen in jedem beliebigen Dateibetrachter (Bridge, Explorer, Finder etc.) allein schon durch die Sortierung nach dem Dateinamen in der chronologisch richtigen Reihenfolge angezeigt werden, unabhängig davon, was auf den Fotos zu sehen ist. Das vereinfacht die Sortierung von Fotos nach dem Export aus Lightroom. Innerhalb von Lightroom ist der Dateiname ja irrelevant, da hier die Fotos standardmäßig chronologisch sortiert werden (nach “Reihenfolge beim Hinzufügen”).
  2. Ein exportiertes Bild soll einen Bezug zur Originaldatei (RAW-Datei) haben. So kann ich anhand des Dateinamens eines fertig bearbeiteten und exportierten Bildes schnell dessen Original innerhalb und außerhalb von Lightroom auffinden, falls ich es noch einmal bearbeiten, exportieren oder anderweitig verwenden möchte. Natürlich würde ich es auch über die EXIF-Daten finden, aber schneller geht’s mit dem Dateinamen.

Und warum stelle ich der von der Kamera vergebenen Nummer noch ein Datum voran?
Canon Kameras vergeben Dateinamen numerisch und können leider nur bis maximal 9999 zählen und fangen dann wieder bei 0001 an. Die Dateinamen heißen also “_MG_0001″, _MG_0002″ … “_MG_9999″. Verwendet man die unveränderten, von der Kamera vergebenen  Dateinamen, hätte man ein Problem, wenn 2 oder mehr Mal  der gleiche Dateiname vergeben wird und man diese Dateien aber im gleichen Ordner speichern will (z.B. in 04_master). Aus diesem Grund lasse ich von Lightroom das Aufnahmedatum in umgekehrter Reihenfolge vor den Kameradateinamen anhängen. Die importierte Datei heißt dann: JJJJMMTT_MG_0001.cr2. Nun spielt es keine Rolle mehr, wie oft sich die Nummerierung durch die Kamera wiederholt. Jeder Dateiname einer importierten Datei kommt in meinem Archiv nur ein einziges Mal vor.

Beispiel 1: Ich habe an einem Fotowettbewerb teilgenommen und die Datei 20090307_MG_3757.jpg eingereicht. Die Jury hat mein Foto ausgewählt und möchte nun noch die Original-RAW-Datei sehen, um zu prüfen, ob ich die Bearbeitungsrichtlinien eingehalten habe. Ich brauche nun nur im Dateibetrachter (z.B. Bridge) den Ordner 01_archive öffnen und mit der Suchfunktion nach “3757″ suchen. Nun wird mir die entsprechende RAW-Datei angezeigt. Ausnahme: wenn ich beim letzten Kamera-Zählerdurchlauf schon einmal eine Datei mit der Nummer 3757 importiert habe, würde diese auch angezeigt.

workflow_suchen-dateiname-bridgeBeispiel 1: Datei in der Bridge suchen

Beispiel 2: Ich habe ein Foto bearbeitet, exportiert und von der Datei 20090307_MG_3757.tif in einem Fachlabor einen Testdruck anfertigen lassen. Dabei habe ich festgestellt, dass die dunklen Töne auf dem Druck zu dunkel wirken und möchte deshalb die Bearbeitungseinstellungen anpassen und das Foto noch einmal exportieren. Hierzu öffne ich die Lightroom-Bibliothek, klicke oben links auf “Alle Fotos” und gebe dann im Bibliotheksfilter unter Text “3757″ ein. Schon habe ich die richtige Datei und kann sie erneut bearbeiten.

Datei in Lightroom suchenBeispiel 2: Datei in Lightroom suchen

Fotos in der Lightroom-Bibliothek selektieren

Wenn man nach einem Shooting viele Fotos verarbeiten muss, ist es sinnvoll, zuerst die guten von den schlechten zu trennen. So wird die Bibliothek übersichtlicher und man spart außerdem Zeit, wenn man die misslungenen Fotos erst gar nicht bearbeitet.
Nach dem Import präsentiert Lightroom in der Ansicht “Bibliothek” alle neuen Fotos. Im ersten Schritt drehe ich die hochformatigen Fotos, da ich sie nicht in der Kamera drehen lasse (um eine bessere Vorschau auf dem Kameradisplay zu haben). Ist dies erledigt, rufe ich die Lupenansicht (Taste E) auf und schaue mir jedes Bild an und markiere die misslungenen Aufnahmen mit dem “Ablehnen”-Fähnchen (Taste X). Mit “misslungen” meine ich hier Fotos, die verwackelt, unscharf oder anderweitig unbrauchbar sind (z.B. geschlossene Augen bei einem Portrait). Diese Selektion geht wirklich schnell, wenn man sich mit den Pfeiltasten nach vorne (rechts) oder zurück (links) bewegt und bei Bedarf das X drückt. Wenn ich mit diesem Schritt fertig bin, setze ich den Filter so, dass ich nur noch die nicht markierten Fotos sehe und die abgelehnten nicht mehr angezeigt werden (Bibliotheksfilter, Attribut, mittleres Fähnchen).
Die Funktion, Fotos als “abgelehnt” zu markieren, hat noch einen zweiten Zweck: über den Menüpunkt “Foto” – “Abgelehnte Fotos löschen” kann man schnell und komfortabel die misslungenen Fotos aus der Bibliothek entfernen UND gleichzeitig vom Datenträger löschen. Achtung: dieser Vorgang kann nicht rückgängig gemacht werden!

Fotos in der Lightroom-Bibliothek in Sammlungen verwalten

Wenn sich die Aufnahmen thematisch sortieren lassen, erstelle ich in der Lightroom-Bibliothek eine neue Sammlung oder füge die Fotos einer bestehenden Sammlung hinzu. Bei einem Portraitshooting würde die Sammlung z.B. “Max Mustermann” heißen, Fotos von einem See würde ich der bereits bestehenden Sammlung “Seen” hinzufügen. Sehr praktisch finde ich die Möglichkeit, mehrere Sammlungen mit “virtuellen Kopien” anzulegen und diese Sammlungen wiederum in einem Sammlungssatz zusammenzufassen. Ich verwende dieses Feature beispielsweise, wenn ich die Portraits von Max Mustermann in Farbe, S/W und Sepia bearbeiten will.

Fotos in der Lightroom-Bibliothek bewerten

Um die Auswahl der zu bearbeitenden Fotos weiter einzugrenzen, verwende ich die Bewertungssternchen. Dazu schaue ich mir in meiner neuen Sammlung “Max Mustermann” die zu bearbeitenden Fotos nocheinmal an und vergebe mit den Nummer-Tasten die Bewertungen von 1 bis 5. Meistens vergebe ich nur 1 oder 2 Sterne oder gar keinen. Eine Bewertung in 5 Stufen halte ich für wenig effektiv. Mir genügt es, wenn ich 3 Bewertungsstufen habe:

  • kein Stern: neutral – dieses Foto ist technisch in Ordnung, aber vom Motiv her nicht herausragend. Ich möchte es nicht bearbeiten, aber vorsichtshalber in meiner Bibliothek behalten (daher kein “abgelehnt”-Fähnchen).
  • 1 Stern: gut – dieses Foto möchte ich bearbeiten und dem Kunden anbieten
  • 2 Sterne: sehr gut – dieses Foto möchte ich bearbeiten, dem Kunden anbieten und besonders empfehlen.

Nachdem ich alle Fotos bewertet habe, lasse ich erneut die Filter für mich arbeiten. Ich wähle nun im Bibliotheksfilter unter “Attribut” aus: “Bewertung ist höher oder entspricht 1 Stern”. Somit werden mir alle Fotos mit einem oder 2 Sternen angezeigt. Jetzt werden mir also nur noch die Fotos angezeigt, die ich wirklich bearbeiten möchte. Dieser Schritt ist für mich sehr wichtig, da ich mich später im Entwickeln-Modul voll und ganz auf die Bearbeitung konzentrieren kann und dort nicht mehr entscheiden muss, ob ich das gerade angezeigte Foto überhaupt brauchbar ist und ich es bearbeiten will.

Fotos in Sammlungen sortieren und bewertenFotos in Sammlungen sortieren und bewerten

Im Teil III geht es um die Themen “Entwickeln”, “Exportieren” und “Archivieren”.

Wenn du Fragen oder Anregungen zu meinem Workflow hast, freue ich mich über Deinen Kommentar.

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3 Kommentare

  1. Erstellt am 25. März 2009 um 11:55 | Permanent-Link

    weiter geht’s!
    das muss ich mir in ruhe nochmal genauer durchlesen, jetzt da mein pc frisch gemacht und endlich auch lr2 auf der kiste ist!! :-D

  2. Uwe Meier
    Erstellt am 24. Januar 2010 um 17:28 | Permanent-Link

    Hallo Matthias,
    nachdem das Bilderchaos auch bei mir auf dem Rechner immer größer wurde, bin ich jetzt dabei auf Lightroom umzusteigen. Wichtig erscheint auch mir eine möglichst optimale Dateistruktur zu finden. Dein Artikel hat mir sehr geholfen, und ich werde meine Daten ähnlich strukturieren. Leider ist “Mein digitaler Workflowhabe Teil III” z. Zt. nicht vom Workshop Teil I bzw. Teil II zugänglich.
    Für alle die den Einstieg zum 3. Teil suchen, hier ist der entsprechende Link:
    http://pabst-photo.de/2009/04/29/mein-digitaler-workflow-teil-3/

    Vielen Dank den interessanten und hilfreichen Workshop

    Gruß Uwe

  3. Erstellt am 25. Januar 2010 um 08:57 | Permanent-Link

    Hi Uwe!
    Vielen Dank für dein Feedback! Habe die Verlinkung aktualisiert.

    Gruß
    Matthias

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    Ich bin Matthias (Mace2000), 33 Jahre alt und lebe und arbeite in Karlsuhe.
    Ich fotografiere gern Landschaften, Städte und Hochzeiten. In diesem Blog schreibe ich über alles, was mit Fotografie zu tun hat. Wenn dir etwas gefällt oder du eine Frage hast, kannst du gern einen Kommentar schreiben. Und wenn du einen Hochzeitsfotografen suchst, geht es hier entlang.

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