Mein digitaler Workflow – Teil I

Mein digitaler WorkflowSeit 5 Jahren fotografiere ich nun digital. Am Anfang war die digitale Fotografie eine ziemlich simple Sache: Knipsen, auf den Computer kopieren, fertig. Unglaublich, wie einfach das war! :-D

In den vergangenen Jahren habe ich jedoch sehr viel über Fotografie gelernt, insbesondere über digitale Fotografie. Damit sind natürlich auch meine Ansprüche an meine eigenen Fotos gestiegen und der Aufwand, sie zu bearbeiten und zu verwalten ist um einiges größer geworden. Vor allem die schnell ansteigende Anzahl der zu verarbeitenden Fotos machte es notwendig, eine feste Struktur für die Verwaltung der Fotos zu schaffen und Arbeitsabläufe festzulegen und diese auch einzuhalten. Ohne einen sinnvollen Workflow kann man nicht zügig und effektiv arbeiten und endet obendrein irgendwann im Datenchaos oder gar im Datenverlust. Meinen Workflow habe ich bis zum heutigen Tag bereits mehrere Male umgestellt. Dies beinhaltete Änderungen der Abläufe und viele Experimente mit diverser Fotografie-Software wie Photoshop, GIMP, RAWShooter, Canon DPP, um nur einige zu nennen. Heute bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: ich habe einen Workflow, der zu meinen Ansprüchen und Bedürfnissen passt und mit dem ich zufrieden bin. Jedoch werde ich diesen Workflow sicherlich auch zukünftig weiterentwickeln und optimieren, da sich die Rahmenbedingungen stets ändern können (z.B. durch neue Softwarefunktionen o. ä.).

In dieser Artikel-Serie möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen zusammenfassen und meine Arbeitsweise erklären. Ich erhebe jedoch nicht den Anspruch, dass diese Artikel eine perfektes Tutorial ergeben, welches jeder Fotograf 1:1 umsetzen kann. Aber sie beeinhalten sicherlich den einen oder anderen nützlichen Tipp und können außerdem als Diskussionsgrundlage dienen. Und natürlich freue ich mich auch über jeden Tipp von meinen Lesern.

Ich habe das Tutorial der Übersichtlichkeit halber in 4 Teile aufgeteilt:

Teil I: Abgrenzung, Hard- & Software, Voraussetzungen
Teil II: Fotografieren, Importieren, Selektieren, Sammeln, Bewerten
Teil III:
Entwickeln, Exportieren, Archivieren, Systempflege
Teil IV: Specials: Backup, Webgalerie, Foto-Communities, Studio-Sessions

So, dann fangen wir mal an!

Thematische Abgrenzung

In diesem Tutorial beschreibe ich meine Arbeitsweisen bei der Verarbeitung meiner digitalen Fotografien und erläutere und begründe die einzelnen Schritte gegebenenfalls. Ich werde nicht im Detail auf die Themen RAW, Farbräume und Bildbearbeitung und -manipulation in Adobe Lightroom/Photoshop eingehen, da dies den Rahmen des Tutorials sprengen würde. Ich setze voraus, dass der Leser einige Grundkenntnisse in Fotografie und Bildbearbeitung mitbringt.

Hardware & Software

Einleitend möchte ich ein paar Worte zu den Werkzeugen sagen, die ich zur Zeit für die Erstellung und Verarbeitung meiner Fotos verwende. Das wichtigste in meinen Augen ist die Software, daher nenne ich diese zuerst: Adobe Lightroom 2, Adobe Creative Suite 3, Canon EOS Capture und Acronis TrueImage 10 (kann auch ein beliebiges anderes Backup-Tool sein). Ob diese Programme auf einem Mac oder wie in meinem Fall auf einem PC laufen, spielt hier eigentlich eher eine untergeordnete Rolle (abgesehen von eventuellen Performance-Unterschieden). Die Abläufe und Arbeitsschritte sollten nahezu identisch sein. Ich werde versuchen, diese möglichst systemneutral zu beschreiben, damit sie sich auf beiden Systemen anwenden lassen. Noch ein paar Worte zur Hardware: ich arbeite auf einem MacBook Pro (2,8 GHz, 4 GB RAM, 2 Nvidia Geforce Grafikkarten) Notebook (2,4 GHz Core 2 Duo, 3 GB RAM, Nvidia GeForce 8600M GT) und einem Desktop-PC (P4 2,66 GHz, 2 GB RAM, Nvidia GeForce4 MX 420) mit insgesamt ca. 1 TB Speicherplatz und einer externen Festplatte mit ingesamt ca. 900 GB Speicherplatz. Hinzu kommen noch 3 externe Festplatten für Backups und ein LAN. Dies soll nur ein Anhaltspunkt und keine Empfehlung sein.
Für die Bearbeitung und die kurzfristige Archivierung meiner Fotos verwende ich hauptsächlich das MacBook Notebook, weil es leistungsfähiger ist als der Desktop-PC. Außerdem möchte ich die aktuellen Fotos auf dem Notebook haben, um sie überall mit hin nehmen zu können (z.B. zum Kunden). Den Desktop-PC verwende ich mittlerweile fast nur noch zur Archivierung. Details zur Verteilung und Struktur der Archive folgen später.

Und das Allerwichtigste hätte ich fast vergessen: das Gerät, in dem die Fotos entstehen. Eine Canon EOS 5D. Es kann aber auch jede beliebige andere Kamera sein. Solange das Speichermedium mehr als 36 Aufnahmen fasst und die Fotos in Form von Nullen und Einsen speichert, ist alles prima. :-)

Tipp: Als Minimalausstattung sollte für diesen Workflow folgendes zur Verfügung stehen: 1 Rechner (Mac oder PC, Notebook oder Desktop) und Adobe Lightroom.

Voraussetzungen

Es gibt ein paar wichtige Rahmenbedingungen, die für einen stabilen und konsistenten Workflow notwendig sind. Kameraseitig gehören dazu die Speicherung der Fotos im RAW-Format und im AdobeRGB-Farbraum. Eine zweite wichtige Voraussetzung ist eine fixe Verzeichnisstruktur auf den Rechnern. Für den Foto-Workflow verwende ich auf dem Notebook eine separate Partition. Auf dieser habe ich folgende Verzeichnisse angelegt (aus irgendwelchen, nicht mehr nachvollziehbaren Gründen in englisch):

  • 01_archive (hier speichert Lightroom beim Importieren alle RAW-Dateien)
  • 02_lightroom-catalogs (dieser Ordner enthält alle von Lightroom verwalteten Kataloge)
  • 03_developed (Ordner für exportierte Fotos)
  • 04_master (Ordner für finale Versionen)
  • 05_resized (Ordner für Fotos in Web- oder Printgröße)

ACHTUNG! NEU! 01_archive + 02_lightroom-catalogs = Lightroom
Siehe Artikel Mein digitaler Workflow – Optimierung der Dateistruktur

Neben diesen Verzeichnissen gibt es noch einige weitere und die o. g. Verzeichnisse können auch noch etliche Unterverzeichnisse enthalten. Darauf werde ich später eingehen. Wichtig für den Workflow sind allerdings nur diese 5 Verzeichnisse. Sie dürfen nicht umbenannt werden und sollten auch immer unter dem gleichen Laufwerksbuchstaben zu finden sein, da man sonst immer wieder die Import- und Exportoptionen von Lightroom anpassen müsste. Die Reihenfolge der Verzeichnisse habe ich absichtlich so gewählt, da sie die Reihenfolge der Arbeitsschritte wiederspiegeln. Ein Foto “wandert” im besten Fall quasi durch alle Ordner.
Die RAW-Dateien dürfen nach dem Import in Lightroom übrigens auch nicht mehr umbenannt werden, da Lightroom die Dateien sonst nicht mehr findet.

Im Teil II geht es dann ans Eingemachte: Importieren, Selektieren, Sammeln und Bewerten.

Wenn du Fragen oder Anregungen zu meinem Workflow hast, freue ich mich über Deinen Kommentar.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fotografie, Tutorial und getagged , , , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

4 Kommentare

  1. Erstellt am 17. März 2009 um 08:06 | Permanent-Link

    guten morgen,
    sehr schöner artikel, bzw. das wird eine schöne artikel-serie. den hier beschriebenen star in deinen workflow kenne ich ja schon. den hat mir mal “jemand” an ort und stelle gezeigt, aber ich bin gespannt wie sich dieser workflow weiter entwickelt hat.
    wann geht es weiter?
    einen schönen tag wünsche ich!!
    u.

  2. Erstellt am 17. März 2009 um 22:40 | Permanent-Link

    Hi Uli, danke für das Feedback! Den 2. Teil werde ich diese Woche noch fertigstellen.

  3. Andreas Kubitza
    Erstellt am 5. September 2009 um 20:19 | Permanent-Link

    Guten Abend Herr Pabst,
    ich habe ein Problem und ich hoffe Sie können mir helfen. Ich verwende Lightroom2 und PS4.
    Wenn ich die Fotos aus LR2 in PS4 über Bearbeiten in nach PS4 bringe, kann ich die Fotos problemlos bearbeiten. Wenn ich das Foto in PS4 speichere finde ich es zwar im Ordner als Bearbeitet.tiff, wird mir aber nicht in LR2 angezeigt. Woran liegt es?
    Meine Fotos habe ich auf eine seperaten Festplatte damit ich sowohl mit dem PC als auch mit dem Laptop den gleichen Bildbestand habe.
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
    Ein großes Kompliment bzgl. Ihrer Internetseite . Ich finde sie sehr informativ und unterhaltsam und werde noch manche Zeit bei Ihnen verbringen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Kubitza

  4. Erstellt am 6. September 2009 um 14:37 | Permanent-Link

    Hallo Andreas,

    normalerweise werden die in PS bearbeiteten Fotos mit dem Original in LR gestapelt. Dazu muss man in PS eigentlich nur “Speichern” klicken. Das Foto wird dann im gleichen Ordner abgelegt wie die RAW-Datei. Sinnvoll ist, in LR unter “Voreinstellungen” – “Externe Bearbeitung” unter “Dateibenennung eine Vorlage auszuwählen, z.B. “Dateiname – Sequenz”. Dann wird das Foto in LR auch gleich neben dem Original angezeigt, sofern man nach Dateinamen sortiert.
    Wenn bei dir die in PS bearbeiteten Fotos nicht angezeigt werden, liegt das entweder daran, dass du sie als TIFF speicherst, oder dass du dich in einer Sammlung befindest. Beim Speichern in PS wird das Foto lediglich in den Originalordner importiert, nicht aber in eine Sammlung.

    Gruß
    Matthias

Ein Trackback

  1. [...] pabst-photo.de | Mein digitaler Workflow – Teil I. [...]

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  • Teile diesen Artikel mit anderen!

    Share |
  • Guten Tag!

    Ich bin Matthias (Mace2000), 33 Jahre alt und lebe und arbeite in Karlsuhe.
    Ich fotografiere gern Landschaften, Städte und Hochzeiten. In diesem Blog schreibe ich über alles, was mit Fotografie zu tun hat. Wenn dir etwas gefällt oder du eine Frage hast, kannst du gern einen Kommentar schreiben. Und wenn du einen Hochzeitsfotografen suchst, geht es hier entlang.

    Informationen zu meiner Arbeit als Webdesigner gibt es in Kürze auf einer neuen Website.

  • Hier findest du mich auch!